Haarausfall ist für die meisten ein ernstes Thema, über das die Betroffenen selbst häufig nur sehr wenig wissen.
Noch immer kursieren Fehlinformationen und Klischeevorstellungen bezüglich Ursachen und Therapieoptionen, welche die Betroffenen dazu verleiten, viel Zeit und Geld in wirkungslose Mittel zu investieren.
Von dem behandelnden Arzt erfordert es daher viel Einfühlungsvermögen, ästhetisches Empfinden, chirurgischhandwerkliches Können und Erfahrung, um die Ängste und Wünsche zu verstehen und optimale Ergebnisse zu erzielen.
Klassischerweise sind vom Haarausfall primär Männer betroffen (Alopecia androgenica). Entgegen der Volksmeinung ist die männliche Glatze jedoch nicht mit gesteigerter Potenz verbunden und meist auch nicht mit einem erhöhten Hormonspiegel.
Lediglich die genetisch festgelegte Empfindlichkeit der Haarwurzeln auf ein Stoffwechselprodukt des männlichen Geschlechtshormons ist meist ursächlich für den Haarausfall bei Männern.
Dieser beginnt häufig schon vor dem Ende der Pubertät und im Alter von 50 Jahren ist bereits jeder zweite Mann betroffen.
Haarausfall kommt auch bei Frauen vor; zwar seltener, jedoch mit zunehmender Häufigkeit. Für Frauen ist der Haarverlust meist noch belastender als für Männer.
Die Ursache für den Haarausfall ist bei beiden Geschlechtern durchaus verschieden. Selbst bei Männern gibt es verschiedene Ursachen. Neben einer familiären, erblichen Belastung können zum Beispiel auch Mangelerscheinungen und Krankheiten (Alopecia areata, Mykose, Lues etc.) oder Medikamente (Zytostatika, Lipidsenker, Antidepressiva, ß-Rezeptorenblocker etc.) ursächlich sein. Für die korrekte Ursachenfindung sollte zunächst ein Dermatologe aufgesucht werden.
Sollte der Haarausfall krankheits- oder medikamentös bedingt sein, darf keine Haartransplantation durchgeführt werden. So muss zum Beispiel eine Stoffwechselerkrankung ausgeschlossen bzw. ausgeheilt sein, bevor die entstandene Glatze transplantiert werden darf.
Liegen bereits Befunde über Stoffwechselstörungen oder Hormonanalysen vor oder sind medikamentöse Therapien des Haarausfalles unternommen worden, sollten diese Befunde zum Beratungsgespräch mitgebacht werden.
Der häufigste Haarausfall des Mannes - der andreogenetische Haarausfall - ist meist erblich bedingt. Der Auslöser ist ein Stoffwechselprodukt des männlichen Geschlechtshormons, das sogenannte Dihydrotestosteron (DHT). Es behindert das Wachstum der Haarwurzeln. Klassischerweise fallen dann die Haare im Bereich der Stirnseiten, der Stirnmitte sowie am oberen Hinterhaupt aus, da hier Haare wachsen, deren Wurzeln empfindlich auf dieses Stoffwechselprodukt reagieren. Einmal ausgefallene Haare wachsen nie wieder nach.
Der Gedanke liegt also nahe, Medikamente zu entwickeln, welche die empfindlichen Haarwurzeln vor dem schädlichen DHT schützen. Diese Medikamente gibt es bereits, sie müssen allerdings lebenslang mehrmals täglich auf die Kopfhaut aufgebracht werden. Andere müssen täglich oral eingenommen werden mit allen entsprechenden Nebenwirkungen - lokal und für den gesamten Körper.
Auch regen diese Medikamente in der Regel das Haarwachstum nicht an; sie kräftigen lediglich vorhandene Haare und reduzieren die Wahrscheinlichkeit des Ausfalles. Eine bereits bestehende Glatze lässt sich daher mit solchen Medikamenten nicht therapieren und bei Absetzen der Medikamente fallen die Haare zudem alle wieder aus. Es häufen sich Erfahrungsberichte, welche sogar nach mehrmonatiger Medikamenteneinnahme einen erneuten Haarausfall schildern.
Die einzige wirkungsvolle und langanhaltende Therapie des Haarausfalles besteht daher in der Haarverpflanzung. Diese kann auf eine viele Jahrzehnte alte Tradition zurückblicken, wurde konsequent weiterentwickelt und ist heute dadurch so erfolgsversprechend und risikoarm wie nie zuvor.
Sie macht sich die Tatsache zu Nutze, dass z.B. die Haarwurzeln des Haarkranzes nahezu immer unempfindlich gegenüber Dihydrotestosteron sind und daher nicht ausfallen: Einige dieser unempfindlichen Haarwurzeln können an die kahlen Areale "umgesiedelt" werden, behalten dort ihre Unempfindlichkeit gegenüber Dihydrotestosteron bei und wachsen ein Leben lang weiter.
Haarausfall bei Frauen entsteht häufig durch ein Ungleichgewicht im Hormon-, Mineralien- und Vitaminhaushalt oder durch Stress.
Der Haarausfall tritt dann oft nicht wie bei den Männern durch die Ausbildung von Geheimratsecken, Stirnglatze oder einer Tonsur in Erscheinung, sondern als eher diffuser Haarausfall am gesamten Kopf. Anfänglich helfen unter Umständen noch Medikamente, wenn jedoch der Haarverlust zu sehr fortgeschritten ist, reicht dies auch hier nicht mehr aus. Frauen leiden dann häufig noch stärker als Männer.
Sowohl für Männer als auch für Frauen kann dann die professionell durchgeführte Transplantation von Eigenhaar eine immense Verbesserung des Selbstbewusstseins und der Lebensqualität bedeuten.
Die Methode der Eigenhaartransplantation ist ein unkomplizierter Eingriff, durch den sich mit geübter Hand absolut ästhetische und natürliche Ergebnisse erzielen lassen.
Der Arzt entnimmt unter lokaler Betäubung am Hinterkopf einen Hautstreifen samt Haarfollikeln (Strukturen, welche die Haarwurzeln umhüllen und dadurch das Haar in der Haut fixieren), deren Haarwurzeln unempfindlich gegenüber Dihydrotestosteron (DHT) sind.
Die Spenderstelle wird direkt verschlossen und hinterlässt lediglich eine feine Narbe am behaarten Hinterkopf, welche durch die darüberliegenden Haare bedeckt wird und damit für andere nicht sichtbar ist.
Aus dem Gewebestreifen werden dann unter optischer Vergrößerung mehrere tausend Haarfollikel herauspräpariert - als sogenannte Pfröpflinge. Hier unterscheidet man Minipfröpflinge, welche nicht mehr als 3 Haarfollikel enthalten und Mikropfröpflinge, welche nur 1 Haarfollikel enthalten.
Wir bevorzugen Mikropfröpflinge, da sich mit ihnen feinere Ergebnisse erzielen lassen. Jedoch gibt es auch für die Minipfröpflinge Indikationen in Abhängigkeit des zu deckenden Areals.
Wenn dann aus dem entnommenen Haarhautstreifen alle Haarfollikel herauspräpariert sind, können sie in die zu besiedelnden kahlen Areale des Kopfes eingesetzt werden. Hierfür werden dort kleinste Kanäle geschaffen, in die die Pfröpflinge sorgfältig eingebracht werden. Sie werden dort vom Körper sofort angenommen und mit Nährstoffen versorgt. Nach ca. 3-5 Stunden ist die Verpflanzung beendet und ein schützender Verband wird angelegt. In den folgenden Tagen wachsen die transplantierten Haarfollikel an und produzieren bereits nach vier Monaten in ihrem neuen "Tätigkeitsumfeld" kräftige Haare - ein Leben lang. Diese neuen Haare müssen dann nicht vorsichtiger oder anders behandelt werden, als alle anderen Haare.
Mittels eines speziellen Skalpells werden vom Operateur winzige Mikroschlitze in die Kopfhaut gesetzt, welche durchschnittlich nur ca. 5 mm lang sind. Durch den Winkel des Schlitzes kann gleichzeitig auch die geplante Wachstumsrichtung des Haares festgelegt werden. Die Schlitztiefe beträgt durchschnittlich ca. 6 mm; gerade so viel, um den Pfröpfling aufzunehmen. Um diese Pröpflinge nicht zu schädigen werden sie mit feinen Mikropinzetten in die individuell angepassten Schlitze gesetzt. Am Ende der Operation erfolgt die Anlage eines speziellen Verbandes, der in den nächsten Tagen die Pfröpflinge schützt und ihnen ermöglicht, in Ruhe und sicher einzuheilen.
Die moderne Eigenhaarverpflanzung ist ein relativ unkomplizierter Eingriff und erfordert wenig Nachsorge. Bereits am ersten Tag nach der Operation wird der Verband auf korrekten Sitz überprüft und falls notwendig eine Korrektur durchgeführt.
Die erste Verbandsabnahme, kombiniert mit einer medizinischen Haarwäsche, erfolgt nach 5 Tagen. Nach weiteren 5 Tagen sind die Haarwurzeltransplantate stabil eingeheilt. In dieser Zeit können Sie zur "Tarnung" des Verbandes zusätzlich eine Mütze oder einen Hut tragen.
Für weitere 2 Wochen ist es notwendig, die Haare mit einem Spezialshampoo zu waschen. Für insgesamt 4 Wochen sind Schwimmbad und Sauna sowie übermäßige sportliche Aktivität zu meiden. Auf direkte Sonneneinstrahlung sollte 3 Monate lang verzichtet werden.
Da für die Haarwurzeltransplantate die gesamte Prozedur trotz schonendem Umgang "Stress" bedeutet, ist damit zu rechnen, dass im ersten Monat nach der Operation die allermeisten Haarwurzeltransplantate ihre Haare planmäßig zunächst ausstoßen. Keine Sorge, typischerweise nach weiteren 3 bis 6 Monaten startet dann aus den nun komplett integrierten Haarwurzeln der Haarwuchs erneut - und für immer. Das Endergebnis der Haartransplantation ist nach 12 bis 18 Monaten zu sehen.
Sophienklinik Stuttgart
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